KI und digitale Barrierefreiheit: Was KI prüfen und beheben kann – und wo sie scheitert

Screenshot des Access Doc Dashboards mit Konvertierungstrend, Dokumentenstatus und PDF-Kategorienübersicht – skalierbare PDF-Remediation und BFSG-konforme Dokumentenkonvertierung nach PDF/UA für Massenbestände

Im Oktober 2025 hat OpenAI mit ChatGPT Atlas einen eigenen Browser vorgestellt. In der Ankündigung stand ein Satz, der eigentlich in jedes Handbuch zur digitalen Barrierefreiheit gehört: Website-Betreiber können ARIA-Attribute ergänzen, damit der ChatGPT-Agent ihre Seite besser versteht. ARIA – das ist genau die Technik, mit der wir seit Jahren dafür sorgen, dass Screenreader eine Website verständlich vorlesen. Für mich zeigt dieser eine Satz, dass sich die Diskussion über KI und digitale Barrierefreiheit gerade umdreht.

Bisher lautete die Frage nämlich nur: Kann KI unsere Website barrierefrei machen? Inzwischen kommt eine zweite Frage dazu, und die ist für viele Unternehmen ehrlich gesagt die wichtigere: Kann KI unsere Website überhaupt benutzen? In diesem Ratgeber zeige ich Ihnen beide Seiten: was KI bei der Prüfung und Behebung von Barrieren heute wirklich leistet und wo sie verlässlich scheitert. Und ich zeige Ihnen, warum eine barrierefreie Website gerade zur Eintrittskarte für KI-Agenten wird.

Was KI bei der digitalen Barrierefreiheit wirklich verändert

Kurz gesagt: KI macht die Arbeit an der digitalen Barrierefreiheit schneller, aber nicht überflüssig. Sie findet Fehler in großer Menge, schlägt Alternativtexte vor, strukturiert PDFs und vereinfacht Texte. Was sie nicht kann, ist beurteilen, ob ein Mensch mit Screenreader, Tastatur oder Vergrößerung am Ende wirklich durch Ihren Bestellprozess kommt. Genau diese Frage entscheidet aber, ob Ihr Angebot die Anforderungen nach BFSG und BITV 2.0 erfüllt. Deshalb arbeiten wir bei ifdb KI-gestützt und menschlich geprüft, etwa beim Tiefen-Audit Access Ready. Dort haben echte Nutzer assistiver Technologien das letzte Wort. Wie Sie PDFs von Anfang an barrierefrei anlegen, beschreibe ich in PDF barrierefrei erstellen.

Zwei Richtungen: KI für Barrierefreiheit und Barrierefreiheit für KI

Wer über KI und digitale Barrierefreiheit spricht, meint meistens nur die erste Richtung: KI als Werkzeug, das Barrieren findet und beseitigt. Die zweite Richtung wird erst seit kurzem sichtbar, und sie ist der eigentliche Aha-Moment. KI-Agenten, die für Ihre Kunden recherchieren, Formulare ausfüllen oder bestellen, brauchen nämlich genau die Informationen, die auch ein Screenreader braucht. Das sind eindeutige Beschriftungen, echte Schaltflächen und eine saubere Struktur.

Das heißt im Umkehrschluss: Eine Website, an der ein blinder Mensch scheitert, ist sehr wahrscheinlich auch für einen KI-Agenten schwer zu bedienen. Digitale Barrierefreiheit ist damit nicht mehr nur Pflicht und soziale Verantwortung, sondern schlichtweg eine technische Voraussetzung dafür, dass Ihr Angebot im nächsten Kanal überhaupt stattfindet.

Wie KI-Agenten Ihre Website lesen: der Accessibility Tree

Jeder Browser baut aus Ihrem HTML eine zweite, unsichtbare Fassung der Seite, den Accessibility Tree. Darin steht für jedes Element, was es ist, wie es heißt und in welchem Zustand es sich befindet – also etwa „Schaltfläche, In den Warenkorb, aktiv“. Screenreader lesen genau diesen Baum vor. Wie er entsteht und warum CSS daran nichts ändert, habe ich im Beitrag zum Accessibility Tree ausführlich erklärt.

Neu ist, dass auch KI-Werkzeuge diesen Baum nutzen. Microsoft beschreibt etwa für Playwright MCP, ein verbreitetes Werkzeug, mit dem KI-Modelle Browser steuern, ausdrücklich, dass es mit Snapshots des Accessibility Tree statt mit Screenshots arbeitet. Und OpenAI schreibt in den Hinweisen zu Atlas, dass der Agent ARIA nutzt, um Struktur und Bedienelemente einer Seite zu verstehen. Ein Button, der in Wahrheit ein div ohne Rolle und ohne Namen ist, bleibt für beide unsichtbar – für den Screenreader genauso wie für den Agenten.

Warum mehr ARIA trotzdem nicht die Lösung ist

Jetzt könnte man auf die Idee kommen, die Website großzügig mit ARIA-Attributen auszustatten, damit KI sie besser versteht. Davor kann ich nur warnen. Die erste Regel von ARIA lautet nicht ohne Grund: Wo es ein passendes natives HTML-Element gibt, nimmt man dieses. Ein echtes button-Element bringt Rolle, Tastaturbedienung und Fokus von Haus aus mit, ein nachträglich beschriftetes div nicht.

Der Accessibility-Experte Adrian Roselli hat nach der Atlas-Ankündigung zu Recht davor gewarnt, dass ARIA-Attribute bald mit Keywords vollgestopft werden. Für Menschen mit Screenreader wäre das fatal, denn sie hören jedes dieser Wörter vor. Die gute Nachricht: Was einem Screenreader hilft, hilft auch dem Agenten. Wer sauberes, semantisches HTML schreibt, muss für KI nichts extra bauen. Wann ARIA sinnvoll ist und wann es schadet, steht im Ratgeber zu aria-label und WAI-ARIA.

Was KI beim Prüfen heute leistet

Beim Prüfen spielt KI ihre Stärke dort aus, wo es um Menge geht. KI-gestützte Scanner erfassen Tausende Seiten in kurzer Zeit, fassen gleichartige Fehler zusammen und zeigen, welche Vorlage im CMS sie verursacht. Statt 4.000 einzelner Meldungen sehen Sie dann zum Beispiel, dass ein einziges Produktkarten-Template auf allen Kategorieseiten denselben fehlenden Linknamen erzeugt.

Hilfreich ist KI außerdem beim Priorisieren und Erklären. Sie übersetzt eine Fehlermeldung wie „4.1.2 Name, Rolle, Wert nicht erfüllt“ in eine verständliche Aufgabe für Redaktion oder Entwicklung. Einen ersten Überblick über Ihre Website bekommen Sie kostenlos mit Access Score, der in wenigen Minuten zeigt, wo die messbaren Lücken liegen.

Die Grenze von 30 bis 40 Prozent – und warum KI sie nicht einfach verschiebt

Automatische Tests erkennen in der Praxis nur etwa 30 bis 40 Prozent der Anforderungen. Viele hoffen, dass KI diese Grenze bald nach oben schiebt. Ein Stück weit wird sie das auch, denn Bilderkennung und Sprachmodelle können heute Dinge bewerten, an denen klassische Regeln scheitern. Der größere Teil der Lücke ist aber kein technisches Problem, sondern ein Informationsproblem.

Ob ein Bild dekorativ ist oder eine Aussage trägt, steht nämlich nicht im Bild, sondern in der Absicht der Person, die es eingebunden hat. Ob eine Fehlermeldung verständlich ist, entscheidet sich im Kopf der Nutzerin. Und ob ein Checkout mit Tastatur und Screenreader in einem Zug funktioniert, zeigt sich erst, wenn jemand ihn tatsächlich so bedient. Diese Informationen stehen nicht im Code. Deshalb kann auch die beste KI sie nicht aus dem Code herauslesen.

Der blinde Fleck automatischer Prüfungen: Zustände und Abläufe

Ein zweiter Grund für diese Grenze wird oft übersehen: Scanner prüfen meist den Zustand, in dem eine Seite geladen wird. Barrieren entstehen aber häufig erst danach: wenn ein Menü aufklappt oder ein Dialog sich öffnet, wenn nach dem Absenden eine Fehlermeldung erscheint oder sich der Warenkorb ohne Neuladen aktualisiert. Ob der Fokus in einem geöffneten Dialog bleibt und nach dem Schließen an die richtige Stelle zurückkehrt (2.4.3 Fokus-Reihenfolge), sieht man nur, wenn man den Ablauf durchspielt. Dasselbe gilt für die Frage, ob eine neue Meldung angesagt wird (4.1.3 Statusmeldungen).

Moderne Shops und Kundenportale, die als Single-Page-Anwendung gebaut sind, bestehen fast nur aus solchen Zuständen. KI-Agenten, die Abläufe selbst durchklicken, werden hier zwar besser. Ob eine Ansage für einen blinden Menschen im richtigen Moment kommt und verständlich ist, bleibt aber eine Frage, die man mit echten Nutzern klären muss.

Alternativtexte: Wo KI hilft und wo sie danebenliegt

Bei Alternativtexten nach WCAG 1.1.1 (Nicht-Text-Inhalt) ist KI inzwischen erstaunlich gut darin, zu beschreiben, was auf einem Foto zu sehen ist. Genau das ist aber oft gar nicht gefragt. Ein Teamfoto auf der Karriereseite braucht vielleicht „Unser Vertriebsteam im Münchner Büro“, ein rein dekoratives Hintergrundbild dagegen ein leeres alt="", damit der Screenreader es überspringt. Eine KI, die jedes Bild ausführlich beschreibt, macht die Seite für Screenreader-Nutzer also eher länger als besser.

Noch heikler wird es bei Bildern, die als Link dienen. Hier muss der Alternativtext das Ziel des Links beschreiben (2.4.4 Linkzweck), nicht den Bildinhalt. Und Bilder mit eingebettetem Text sollten nach 1.4.5 (Bilder von Text) möglichst gar nicht als Bild vorliegen. Wie gute Alternativtexte aussehen, zeigt unser Ratgeber zu Alt-Texten.

Praxis-Tipp: Lassen Sie KI nicht zuerst beschreiben, sondern zuerst entscheiden. Geben Sie dem Werkzeug den umgebenden Text und die Funktion des Bildes mit und fragen Sie: Ist dieses Bild dekorativ, informativ oder ein Link? Erst danach soll es formulieren. In vielen Fällen ist ein leeres alt-Attribut die richtige Antwort – und genau die liefert eine KI von sich aus fast nie.

PDFs und Dokumente: KI-gestützt taggen, menschlich prüfen

Bei Dokumenten ist der Hebel von KI besonders groß. Ein barrierefreies PDF nach PDF/UA (ISO 14289) braucht Tags für Überschriften, Listen, Tabellen und Bilder, eine logische Lesereihenfolge und Alternativtexte. Wer das von Hand für Hunderte Geschäftsberichte, Formulare oder Verträge erledigt, sitzt Wochen daran. KI erkennt die Struktur einer Seite heute in Sekunden und legt damit eine sehr gute Grundlage.

Ein großer Teil der Prüfbedingungen des Matterhorn-Protokolls, mit dem PDF/UA geprüft wird, lässt sich allerdings nur durch einen Menschen beurteilen. Ist die Lesereihenfolge sinnvoll? Beschreibt ein Tabellenkopf wirklich die richtigen Spalten? Passt der Alternativtext zum Zusammenhang? Genau deshalb gehört bei barrierearmen PDFs immer ein Mensch in die Prüfung. Mehr zu den Anforderungen steht im Ratgeber zum barrierefreien PDF.

Verständliche Texte und Leichte Sprache mit KI

Sprachmodelle sind hervorragend darin, komplizierte Texte zu vereinfachen. Für einfache Sprache – also kürzere Sätze, weniger Fachbegriffe, klare Struktur – reicht ein guter KI-Entwurf mit redaktioneller Durchsicht oft schon aus. Bei Leichter Sprache ist das anders. Sie folgt eigenen, festen Regeln und richtet sich an Menschen mit Lernschwierigkeiten. Nach den Regeln des Netzwerks Leichte Sprache gehört zu jedem Text eine Prüfung durch Menschen aus genau dieser Zielgruppe.

KI kann diesen Prozess deutlich beschleunigen, ihn aber nicht ersetzen. Wer einen KI-Text ungeprüft als Leichte Sprache veröffentlicht, riskiert Texte, die formal einfach aussehen, aber inhaltlich verfälscht oder schlicht unverständlich sind. Für Behörden, die nach BITV 2.0 Informationen in Leichter Sprache bereitstellen müssen, ist das kein Detail.

Wo KI Redaktionen im Alltag wirklich entlastet

Unterschätzt wird, wie viel KI bei den kleinen, wiederkehrenden Aufgaben der Redaktion bringt. Aus „Hier klicken“ wird ein Linktext, der das Ziel nennt (2.4.4 Linkzweck). Aus einer nichtssagenden Zwischenüberschrift wird eine, die den Abschnitt beschreibt (2.4.6 Überschriften und Beschriftungen). Und aus „Ungültige Eingabe“ wird eine Fehlermeldung, die sagt, was zu korrigieren ist (3.3.3 Fehlerempfehlung).

Entscheidend ist allerdings, wie man fragt. „Mach den Text barrierefrei“ liefert meist Allgemeinplätze. Besser funktioniert eine konkrete Aufgabe mit Kontext, etwa: „Formuliere diese drei Linktexte so, dass sie ohne den umgebenden Satz verständlich sind, und nenne jeweils das Ziel der Seite.“ Das Ergebnis prüft dann ein Mensch – in einem Bruchteil der Zeit, die das Schreiben gekostet hätte.

Code-Korrekturen mit KI: schneller, aber mit Nebenwirkungen

Viele Entwicklerteams lassen sich Barrierefreiheitsfehler inzwischen von Copilot oder ChatGPT beheben. Das spart Zeit, erzeugt aber eine eigene Fehlerklasse: Korrekturen, die den Scanner zufriedenstellen und für Menschen neue Barrieren schaffen. Ein typisches Beispiel:

<!-- KI-Vorschlag: Scanner meldet keinen Fehler mehr -->
<button aria-label="Formular absenden">Jetzt kaufen</button>

<!-- Besser: sichtbarer Text und zugänglicher Name stimmen überein -->
<button>Jetzt kaufen</button>

Der erste Button hat jetzt zwar einen Namen, aber der Screenreader liest „Formular absenden“ vor, während auf dem Bildschirm „Jetzt kaufen“ steht. Das verstößt gegen 2.5.3 (Beschriftung im Namen) und macht Sprachsteuerung unmöglich, denn wer „Jetzt kaufen klicken“ sagt, trifft den Button nicht. Ähnlich häufig sind role="button" auf Elementen, die per Tastatur gar nicht erreichbar sind (2.1.1 Tastatur), oder aria-hidden="true" auf Elementen, die den Fokus erhalten. Kein Scanner meldet all diese Fälle zuverlässig – ein Mensch mit Tastatur bemerkt sie sofort.

Overlays mit KI: das Versprechen, das nicht trägt

Am deutlichsten wird die Grenze bei Overlay-Widgets, die per Skript über eine Website gelegt werden und Barrieren „mit KI“ automatisch beheben sollen. Sie ändern Ihren Quellcode nicht, sondern versuchen, die Darstellung im Browser nachträglich zu korrigieren. Für Screenreader, Tastaturbedienung und Formulare reicht das in aller Regel nicht, und für KI-Agenten, die den eigentlichen Code lesen, schon gar nicht.

Dass dieses Versprechen auch rechtlich nicht trägt, hat die US-Handelsbehörde FTC im April 2025 deutlich gemacht. Sie verpflichtete einen Overlay-Anbieter zur Zahlung von einer Million US-Dollar, weil er beworben hatte, sein Werkzeug mache Websites WCAG-konform. Warum Overlays auch beim BFSG keinen Schutz bieten, habe ich im Beitrag zu den Grenzen von Overlays aufgeschlüsselt.

KI-Ansätze im Vergleich

Die folgende Übersicht ordnet die gängigen Ansätze nach dem, was am Ende zählt. Unser eigener Ansatz ist transparent als ifdb gekennzeichnet.

AnsatzFindet Fehler in großer MengeBehebt im QuellcodePrüft Bedienbarkeit mit assistiven TechnologienLiefert belastbaren Nachweis
KI-Scanner alleinjaneinneinnein
KI-Overlayteilweiseneinneinnein
Sprachmodell als Assistentteilweiseja, mit Risikoneinnein
KI-gestützt, menschlich geprüft (ifdb)jajaja, mit echten Nutzernja

Was das BFSG zu KI sagt

Das BFSG enthält keine eigenen Regeln für KI. Es verlangt, dass Ihr digitales Angebot barrierefrei ist, und zwar unabhängig davon, wie Sie dieses Ergebnis erreichen. Eine KI-gestützte Prüfung ist deshalb für sich genommen kein Nachweis. Entscheidend ist, ob Ihr Angebot die Anforderungen tatsächlich erfüllt und ob Sie das belegen können.

Umgekehrt müssen KI-Funktionen selbst barrierefrei sein, wenn sie Teil eines Angebots für Verbraucher sind. Ein Chatbot im Kundenservice, ein KI-Assistent im Onlineshop oder ein Beratungstool im Online-Banking gehört zur Dienstleistung – und fällt damit unter dieselben Anforderungen wie der Rest der Website. Ein Chatfenster, das sich nicht per Tastatur öffnen lässt oder dessen Antworten der Screenreader nicht ansagt (4.1.3 Statusmeldungen), ist schlicht eine Barriere.

KI-Verordnung: zwei Barrierefreiheitspflichten, die kaum jemand kennt

Ausgerechnet die KI-Verordnung der EU enthält zwei Pflichten zur Barrierefreiheit, über die erstaunlich wenig gesprochen wird. Die erste gilt bereits: Seit dem 2. August 2026 muss ein Chatbot nach Artikel 50 offenlegen, dass Menschen mit einer KI sprechen. Und Artikel 50 Absatz 5 verlangt ausdrücklich, dass dieser Hinweis den geltenden Barrierefreiheitsanforderungen entspricht. Ein KI-Hinweis, den ein Screenreader nicht vorliest, erfüllt die Pflicht also nicht.

Die zweite betrifft Hochrisiko-KI, etwa Systeme, die Bewerbungen sortieren oder Kandidaten bewerten. Ihre Anbieter müssen nach Artikel 16 Buchstabe l sicherstellen, dass die Systeme die Barrierefreiheitsanforderungen der EU erfüllen. Nach der jüngsten Verschiebung gilt das ab dem 2. Dezember 2027. Was das für Recruiting-Prozesse bedeutet, lesen Sie im Beitrag zur barrierefreien Bewerbung.

Woran Sie seriöse KI-Versprechen erkennen

Fast jeder Anbieter wirbt inzwischen mit KI. Ob dahinter etwas Belastbares steckt, lässt sich mit fünf Fragen ziemlich schnell klären:

  • Verspricht der Anbieter Konformität per Knopfdruck? Dann ist Vorsicht angebracht, denn ein großer Teil der Kriterien lässt sich nicht automatisch prüfen.
  • Ändert die Lösung Ihren Quellcode oder nur die Darstellung im Browser?
  • Prüfen Menschen das Ergebnis – und zwar mit Tastatur, Screenreader und Vergrößerung?
  • Bekommen Sie einen dokumentierten Nachweis, der Prüfumfang, Methode und Datum nennt?
  • Steht der Anbieter für sein Ergebnis ein, oder lässt er Sie mit einem Bericht allein?

So setzen Sie KI sinnvoll ein

Am besten funktioniert eine klare Arbeitsteilung: KI übernimmt Menge und Entwürfe, Menschen treffen die Entscheidungen. In der Praxis hat sich diese Reihenfolge bewährt:

  1. Lassen Sie KI-gestützte Scanner Ihre gesamte Website regelmäßig prüfen und Fehler nach Vorlagen bündeln.
  2. Nutzen Sie KI-Vorschläge für Alternativtexte, Dokument-Tags und einfache Sprache als Entwurf, nie als Endfassung.
  3. Lassen Sie jede Korrektur im Code von jemandem prüfen, der die WCAG-Kriterien kennt.
  4. Testen Sie die wichtigsten Abläufe mit Tastatur, Screenreader und echten Nutzern assistiver Technologien.
  5. Dokumentieren Sie Prüfung und Behebung, damit Sie Ihre Sorgfalt gegenüber Behörde und Gericht belegen können.
  6. Überwachen Sie Ihre Website danach laufend, denn jedes Update kann neue Barrieren erzeugen.

Wie wir bei ifdb mit KI arbeiten

Wir setzen KI dort ein, wo sie Zeit spart, und Menschen dort, wo es auf Urteil ankommt. Access Score zeigt Ihnen in wenigen Minuten, wo Ihre Website steht. Access Ready prüft Ihre Anwendung mit echten Nutzern assistiver Technologien und mit den Screenreadern JAWS, NVDA und VoiceOver bis zum belastbaren Zertifikat. Und Access Guard überwacht Ihre Website laufend und meldet neue Barrieren, sobald sie entstehen.

Viele Werkzeuge liefern Ihnen einen automatischen Bericht und lassen Sie mit dem Ergebnis allein. Wir begleiten Sie vom ersten Scan bis zum Nachweis. Und ganz nebenbei wird Ihre Website dabei genau so gebaut, dass auch die KI-Agenten Ihrer Kunden mit ihr zurechtkommen.

Sie brauchen einen belastbaren Nachweis für Ihre digitale Barrierefreiheit? In 30 Minuten besprechen wir, wie Prüfung und Zertifizierung bei Ihnen ablaufen.

Häufige Fragen zu KI und digitaler Barrierefreiheit

Kann KI eine Website automatisch barrierefrei machen?

Nein. KI kann Fehler finden und Lösungen vorschlagen, aber nicht zuverlässig beurteilen, ob Inhalte verständlich und Abläufe bedienbar sind. Ohne menschliche Prüfung bleibt ein großer Teil der Anforderungen offen, und KI-Korrekturen im Code können sogar neue Barrieren erzeugen.

Kann ich ChatGPT nutzen, um meine Website auf Barrierefreiheit zu prüfen?

Als Hilfsmittel ja: ChatGPT und andere Sprachmodelle erklären Kriterien, bewerten einzelne Code-Ausschnitte und formulieren Texte um. Eine Prüfung ersetzen sie nicht, denn sie bedienen Ihre Website nicht mit Tastatur oder Screenreader und klingen auch dann überzeugend, wenn sie sich irren.

Warum ist digitale Barrierefreiheit für KI-Agenten wichtig?

Weil KI-Agenten Websites über dieselbe Schicht lesen wie Screenreader: den Accessibility Tree mit Rollen, Namen und Zuständen. Fehlen eindeutige Beschriftungen oder echte Bedienelemente, kann ein Agent für Ihre Kunden weder recherchieren noch bestellen. Eine barrierefreie Website ist deshalb auch für KI leichter zu benutzen.

Bild von Lukas Maximilian Langer

Lukas Maximilian Langer

Als Gründer der ifdb GmbH setzt sich Lukas Maximilian Langer dafür ein, digitale Barrierefreiheit vom Pflichtthema zum Selbstverständnis zu machen. Sein Ziel: Websites, Apps und Dokumente, die für alle zugänglich sind – unabhängig von Einschränkungen.

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